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Die Kirche St. Marien in Oythe - Geschichtliches von Georg Böske Die Pfarrkirche in Oythe ist eine der letzten erhaltenen Findlingskirchen des Oldenburger Münsterlandes. Sie ist im Laufe der Zeit umgebaut und vergrößert worden, so dass sie nicht mehr in reinem romanischen Baustil erhalten ist. Der älteste Teil zwischen dem Chor und dem Turm ist um 1300 erbaut worden. Mit seinen dicken Mauern und den kleinen Fensteröffnungen, die erst im letzten Jahrhundert vergrößert wurden, machte die Kirche einen wehrhaften Eindruck. In den Jahren 1769 - 1775 erhielt sie einen massiven Turm aus Findlingen und Steinen der Vechtaer Zitadelle; jahrhundertelang hatte sie einen Holzturm gehabt. Die Zunahme der Bevölkerung um 1800, im Zusammenhang mit verbesserter Ernährung und Hygiene, machten eine Vergrößerung des Gotteshauses notwendig. Die Kirche wurde im Jahre 1840 um den heutigen Altarraum (Chor) erweitert. Schon 1842 wurde die Sakristei angebaut; darunter befindet sich die Begräbnisstätte der Besitzer des Gutes Füchtel. Heute hat die Kirche ca. 230 Sitzplätze. Die letzte Renovierung der Kirche (innen und außen) wurde 1982 vorgenommen. Die Inneneinrichtung Wer die Kirche betritt, lenkt seinen Blick auf den Altar; ursprünglich im Stil der Renaissance entworfen, ist er im Zeitalter des Barocks umgestaltet worden. Bei der Renovierung in den Jahren 1960/61 wurden die Jahreszahl 1664, der Name des Künstlers (Franz Vangussing) und eine Widmungsinschrift entdeckt, die besagt, dass die Eingesessenen des Kirchspiels Oythe den Altar gestiftet hätten. Dies erscheint aber fraglich, da die Einwohner von Oythe während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) sehr gelitten haben und selbst 20 Jahre nach dem Kriege noch in sehr bedrängten Verhältnissen lebten, so dass sie nicht einmal ihre Steuern bezahlen konnten. Von besonderem Wert ist das Altarbild, das von dem Schweizer Maler Paul Melchior Deschwanden gemalt und 1876 angekauft worden ist. Es zeigt die Aufnahme Mariens in den Himmel. Im Chorraum finden sich zwei auffällige Statuen. Da ist einmal die bei der letzten Renovierung farblich neu gefasste Figur des hl. Donatus; er wurde in Oythe als<< Grummelheiliger>> (Grummel = Donner) verehrt. Der Volksmund überliefert, dass kein Wohnhaus mehr durch Blitz eingeäschert worden ist, seitdem diese Figur in der Kirche steht. Einen besonderen Platz nimmt die barocke Kanzel ein, die im Jahr 1698 angeschafft wurde und vor 10 Jahren ihre ursprüngliche Farbgebung wiedererhalten hat. Der Künstler hat die vier Evangelisten mit ihren jeweiligen Symbolen dargestellt: Matthäus = Kind, Markus = Löwe, Lukas = Rind und Johannes = Adler. Die Kommunionbank ist der Entstehungszeit der Kanzel zuzuordnen. Erwähnenswert ist auch die Orgel, die Berner (Osnabrück) 1726 neuerstellt hat. Seit der Umgestaltung des Orgelbodens im Jahre 1977 (wobei auch die Orgel selbst umgebaut wurde) kommt sie wieder besser zur Geltung. Die Ausmalung der Kirche im Charakter des Jugendstils erfolgte im Jahre 1926 durch den Maler Brey aus Geldern. Im Jahre 1960/61 wurden die Malereien im Chorraum übermalt, bei der letzten Renovierung aber wieder freigelegt und die Farben aufgefrischt; dies führte zu einer unterschiedlichen Intensität der Farben im Altarraum und der übrigen Kirche. Im Turm der Kirche hängen drei Glocken: a) 1708 >Salvator bin ich geheten< von Schallemberch (Ø 95cm) b) 1710 >Maria bin ich geheten< von Herbort Wichmann und Arendt Bergmann (Ø 105cm). Diese Glocke musste im letzten Krieg abgegeben werden und konnte 1948 unversehrt aus Hamburg zurückgeholt werden. c) Eine neue dritte Glocke wurde 1957 von der Firma Petit und Edelbrock angefertigt (Ø 77cm). Der Teufelstritt am Kirchturm An der Nordseite des Turmes der Oyther Pfarrkirche befindet sich in der Abschrägung des Sockels ein eigenartig geformter Sandstein. Er hat die Ähnlichkeit mit dem Abdruck eines Pferdefußes. Es läst sich nicht mehr feststellen, ob es sich um eine künstliche oder eine rein zufällig natürliche Erscheinung handelt. Damit verbindet sich im Volksmund die Teufelssage, wonach der Teufel versucht hat, den Bau der Kirche zu verhindern, was ihm aber nicht gelang. Die Oyther Pfarrkirche hatte früher nur einen hölzernen Turm. Als im Jahre 1769 die Zitadelle, die Festung von Vechta, geschleift wurde und die übriggebliebenen Steine billig verkauft oder sogar verschenkt wurden, nahm der rührige junge Pfarrer Gottfried Grothaus aus Oythe die günstige Gelegenheit wahr, für wenig Geld zu Baumaterial zu kommen. In den "Heimatblättern" Nr.12 aus dem Jahre 1933 schrieb darüber Dechant Averdam (die eingeklammerten Texte hat der bis 1998 in Oythe tätige Pfarrer Josef Draude ergänzt): Ein neuer Turm musste schon längst in Oythe gebaut werden. Jetzt konnte es billig geschehen. Nachdem er (Pfr. Grothaus) sich mit dem Kommandanten in Verbindung gesetzt hatte, wurden sie über den Preis bald einig. Die Bauern von Oythe wurden zu Spanndiensten willig gemacht, und bald fuhren die Oyther die schönen behauenen Felsblöcke (der Vechtaer Festung) zu der Oyther Kirche. Im Jahre 1770 konnte man mit dem Bau beginnen und fast bis zum schwarzen Dach das Mauerwerk fertig stellen. Ab da versagte, wie so oft bei derartigen Bauten, das Material und noch mehr der Geldbeutel. Die Oyther konnten und wollten nicht mehr. Und trotz Bemühungen des eifrigen Pfarrers drohte sich hier die Geschichte vom Turmbau zu Babel zu wiederholen, und es schien wirklich, dass die Mauern unfertig liegen bleiben sollten. (Nur einer freute sich darüber, dass das Gotteshaus unvollständig blieb: Der Teufel! Er tanzte oben auf dem Turm vor Vergnügen.) Da schließlich verstand es der kluge Pfarrer, das Interesse und Mitleid des adeligen Herren von Füchtel für den Turm wachzurufen, weil die Adeligen ja immer noch Geld hatten, wo die Bauern längst ausgebeutelt waren, und damals auch noch gern eine Stütze der Pfarrkirche sein wollten und auch wirklich oft gewesen sind ... Man schickte eine Deputation (Abordnung) zu dem damaligen Gutsherrn Baron von Elmendorff, halb schelmisch, halb demütig bittend, man wäre mit der Arbeit total festgefahren (man hätte hierzulande nur gelernt, niedrige Häuser zu errichten), man könnte in der Höhe keinen Stein weiterbauen, (aber er kenne doch die weite Welt): ob er nicht vielleicht wüsste, wie man Hochbauten in solcher Höhe weiterführe (wie man in der Höhe in die Höhe baue). Der gutmütige junge Baron verstand den Witz sofort, stieg (vor den Augen der Oyther) wichtig wie ein Fachkundiger, mit vornehmer Miene, wirklich auf das Gerüst, legte einen neuen Stein mit Mörtel auf, schlug ihn mit dem Hammer fest und legte dann obenauf 1000 Taler und sagte dann lächelnd: "So müsst ihr Oyther bauen, dann geht es auch in der Höhe". (Der Teufel musste oben vom Turm weichen) ... So gelang es, im zweiten Jahre (1771) den schönen Turm fertigzustellen... Als Kuriosität an dem Turm ist auf der Nordseite in dem Sandstein, der den Absatz des Sockels bildet, deutlich eine Spur des Hufeisens zu sehen. Das ist, wie man erzählt, der Abdruck des Pferdefußes des Teufels, der aus Ärger darüber, dass man den schönen Turm doch fertigbrachte, sich vergrellt vom schwarzen Dach heruntergleiten ließ und beim Abspringen den Turm noch einen festen Fußtritt versetzte, dass er in seinen Grundfesten erzitterte. Der Turm blieb zwar stehen, aber den Abdruck des Pferdefußes trägt er bis zum heutigen Tag. (Nach Norden, Holzhausen, floh der Teufel. Aber keineswegs wollte er die Christen in der Oyther Kirche ganz dem Herrgott überlassen, und darum kehrte er zurück.) Beim Eingang in der Kirche trug die dicke Turmwand früher ein großes, vierkantiges, düsteres Loch. Dieses wurde vom Volk, besonders von den Kindern, "Teufelsloch" genannt. Es soll darin vor Zeiten der Böse sich versteckt gehalten haben, und wenn der Pastor besonders gut predigte, soll er seinen Schwanz herausgestreckt haben, um die Leute zum Lachen zu bringen und zu stören, besonders die Jungs. Das Loch ist aber jetzt durch einen eisernen Opferkasten verbaut, und der Teufel kann seitdem dort nicht mehr spuken, und die jungen Burschen müssen jetzt auf ein anderes Allotria warten.
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