© Heimatverein Oythe e.V. 2014
Heimatverein Oythe e.V.
Unser Oythe zur Startseite
Unser Oythe und seine Ortsteile - Telbrake Geschichtliches zu Telbrake - von Engelbert Hasenkamp Quelle: Heimatblätter vom 12.April 2008, Beilage zu Nr. 86, Nr. 2./87. Jahrgang, Seite 14 Was sagt uns der Name "Telbrake"? Von einer heimatkundlich interessierten Einwohnerin wurde kürzlich nach der Bedeutung des Namens "Telbrake" gefragt. Telbrake, ein Ortsteil des alten, einst selbstständigen Kirchspiels Oythe bei Vechta, liegt im östlichen Bereich des Stadtgebietes. Begrenzt wird er im Norden von der Landesstraße L 81 Vechta-Lutten-Goldenstedt, im Osten von der "Alten Bäke", die noch nicht lange hier als "Vechtaer Moorbach" bezeichnet wird, obwohl sie richtiger erst ab dem Zusammenfluss mit der "Schlochter Bäke" am Speckendamm so heißen müsste. Im Süden schließen sich dem Bachlauf Grünenmoor und Füchtel an und als westliche Grenze kann man in etwa den jetzigen "Haferkamp" nennen. Ein Blick auf die Karte zeigt uns, dass der Großteil dieser Bauerschaft eine in sich geschlossene unbebaute genutzte Fläche bildet, sich die ringförmig von der etwa sieben Kilometer langen "Telbraker Straße" umsäumt wird. Das Gelände steigt hier bis auf 44,9 Meter über N.N. an, während die Ortsmitte von Oythe nur 37,3 Meter misst (Topographische Karte 3215 Vechta, 1969). Prof. Dr. Georg Reinke 1) schreibt 1920: "Die durchgehends nur kleinen Bauernhöfe umsäumen kranzförmig den Esch. Nach alten Überlieferungen sollen die Oyther Bauern ehemals alle zusammen in der Nähe der Kirche gewohnt haben. Eine Feuersbrunst habe aber den Ort zerstört und die Bewohner hätten sich dann rings um den Esch herum wieder angebaut". Die große freie und höher gelegene Fläche, die von der "Telbraker Straße" umschlossen wird, umfasst die Flurstücke "Hoher Esch", "Telbraker Esch" und "Flage". Unter "Esch" und "Flag" 2) ist, vereinfacht gesagt, eine alte häufig runde und ursprünglich eingehegte Ackerfläche zu verstehen, die meistens dem Anbau von Roggen dient und von unkultiviertem Land umgeben war. Die Wallbegrenzung ist allerdings inzwischen verschwunden und ebenso gibt es das benachbarte, ungenutzte Heideland nicht mehr. Die "Pickerhake" schloss früher den gesamten Oyther Esch ab. Durch sie soll das Vieh von einem gemeinsamen Kuhhirten in das östlich gelegene Bruch hinausgetrieben worden sein. Foto: Engelbert Hasenkamp Aber auch die Ackerfläche war als solche nicht ewig vorhanden und das führt uns zu der Deutung des Namensteils "brake" oder "brache". Das Wort kommt von "brechen" 3), erstes Umbrechen des Bodens oder Umbruch eines Streifens ungepflügten Landes. In der alten Dreifelderwirtschaft blieb jeweils Drittel der bewirtschafteten Fläche unbearbeitet liegen. Sie wurde im Juni des folgenden Jahres gepflügt = brechen oder umbrechen. Deshalb heißt der Juni auch Brachet oder Brachmonat. Auch im Mittel- und Althochdeutschen nannte man das Pflügen "Brachen" und das gepflügte Land "Brachfeld" oder einfach "Brache". Aus dem mittelhochdeutschen "brach liegen" hat sich allmählich das Eigenschaftswort "brach" entwickelt, das "unbenutzt" oder "unbebaut" bedeutet. Die Herkunft der ersten Wortsilbe "tell" lässt mehrere, wenn auch ziemlich gleichbedeutende Erklärungen zu. Dr. Ludwig Averdam bringt "tel" mit "Tellen" = bebauen oder "Neuland das jemand bebaut hat" in Verbindung und leitet davon den Namen "Zeller" = Bauer ab 4). Im Altfriesischen kennt man den Begriff "teelen" oder "teulen" = Land fruchtbar machen, Land bebauen oder man nimmt das englische "to till" zu Hilfe = pflügen, ackern, das Feld bebauen 5). Der "Hohe Esch" in Telbrake, eine zusammenhängende, ringförmige und fruchtbare Ackerfläche, an dessen Rand alte Bauernhöfe und schmucke Neubauten angesiedelt sind. Hier ein Blick über den Esch auf die Hofstelle von Franz von der Heide, Pickerhake 5. Foto: Engelbert Hasenkamp Mittelniederdeutsch ist die Redensart "telen unde buwen" geläufig, soll heißen "ackern und bebauen". Darunter ist im bestimmten landwirtschaftlichen Sinne "ein Land ertragsfähig machen" zu verstehen und der Bebauer wird "teelman" genannt. Aus dieser Benennung soll im Oldenburger Münsterland verhochdeutscht die Bezeichnung "Zeller" entstanden sein 6). Ähnlich erklärt Hermann Böning im "Plattdeutschen Wörterbuch" den Begriff "telen" als "ackern, landwirtschaftlich erzeugen" und sieht darin ebenfalls die Herkunft des Namens "Zeller" = Bauer 7). Begründet mit diesen mehrfachen und weitgehend übereinstimmenden Ausdeutungen lässt sich zusammengefasst sagen, dass unter "Telbrake" bewirtschaftetes und früh bebautes Neuland aus Heide und Holzbeständen zu verstehen ist, das wahrscheinlich die ersten hinterm Esch gelegenen Zuschläge gewesen sind. Quellen: 1) Dr. Reinke, Georg: Wanderungen durch das Oldenburger Münsterland, 1. Heft, Seite 91,92 2) Hellbernd/Möller: OLDENBURG, ein heimatkundliches Nachschlagewerk, Seite 598 3) Duden, Herkunftswörterbuch der deutschen Sprache, Band 7, Seite 79 4) Dr. Averdam, Ludwig: Denkwürdige Plätze in Oythe, in Heimatblätter Nr. 5 vom 19.5.1929, Seite 7 5) Tilemann, Dothias Wiarda: Altfriesisches Wörterbuch, Aurich, Siete 1786, Seite 367 6) Schiller/Lübben: Mittelniederdeutsches Wörterbuch, Bremen 1878, vierter Band, Seite 522 7) Böning, Hermann: Plattdeutsches Wörterbuch für das Oldenburger Land, Oldenburg 1941, Seite 114
nach oben zurück