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Kriegerdenkmal in Oythe von Engelbert Hasenkamp So wie an verschiedenen anderen Orten sind auch hier weder die politische noch die Kirchengemeinde Initiatoren des Denkmalbaues gewesen, sondern der „Stahlhelm" Ortsgruppe Oythe. Der „Stahlhelm", eigentlich „Bund der Frontsoldaten", war als Wehrverband eine in Deutschland militärische Organisation von Soldaten des Ersten Weltkrieges. Er wurde 1918 gegründet und nannte sich überparteilich, obwohl er deutschnationale Tendenzen zeigte. Der Verband musste im nationalsozialistischen Deutschland 1934 zunächst seinen Namen in „Nationalsozialistischer Deutscher Frontkämpferbund" ändern und 1935 sich selbst auflösen. Eine Neugründung nach dem Zweiten Weltkriege (1951) blieb ohne Bedeutung. 1 Spärliche Informationen Die    Gründung    der    Ortsgruppe    Oythe    war    am    Beginn    meiner    Recherchen    dokumentarisch    nicht    zu    belegen,    weil    keine    schriftlichen    Nachweise vorgefunden   wurden.   In   einem   Lokalbericht   vom   4.8.1921   der   „Oldenburgischen   Volkszeitung"   (OV)   Vechta,   auf   den   ich   mich   stattdessen   beziehe,   heißt es   jedoch:   „Vor   kurzer   Zeit   wurde   auch   hier   in   unserer   Gemeinde   eine   Orts­gruppe   des   „Stahlhelm"   gegründet,   deren   Mitgliederzahl   jetzt   schon   über   30 beträgt".   Ferner   wird   in   diesem   Bericht   darauf   hingewiesen,   dass   auf   der   ersten   Monatsversammlung   am   7.8.1921   „die   Besprechung   der   Frage   der Errichtung   eines   Denkmals   zu   Ehren   der   gefallenen   Krieger   unserer   Gemeinde"   steht 2 .   Seltsamerweise   ist   in   dem   einige   Wochen   später   in   der   OV erschienenen   Ergebnisbericht   über   dieses   Mitgliedertreffen   kein   Wort   über   die   Denkmalsangelegenheit   gesagt ³ .   Am   11.   12.1921   befasste   sich   die monatliche   Zusammenkunft   wiederum   mit   der   Denkmalfrage   und   regte   eine   Haus­sammlung   an. Als   Denkmalplatz   sei   der   „Brink"   von   der   Gemeinde   zur Verfügung   gestellt   worden 4 .   Der   „Brink"   ist   ein   Dreieck   Grundstück   zwischen   Pfarrhaus   und   Kirche,   direkt   an   der   Durchgangsstraße   (L   81)   gelegen.   Nach dieser   Verlautbarung   herrschte   zunächst   totale   Funkstille,   bis   nach   eineinhalb   Jahren   die   OV   am   23.5.1923   berichtete:   „Der   Bau   des   Kriegerdenkmals   in unserer   Gemeinde   schreitet   rüstig   voran".   Es   wurde   allgemein   begrüßt,   dass   nun   endlich   mit   der   Denkmalsfrage   Ernst   gemacht   worden   sei.   Diese Formulierung   lässt   somit   auf   längere   Planungen   und   andere   Vorbereitungen   schließen.   Über   Entwürfe,   Zeichnungen,   Änderungen,   Ergänzungen   oder   zu verwendendes   Material   sind   aber   keine   Unterlagen   aufzufinden.   Der   genannte   Pressebericht   bringt   weiter   zum Ausdruck,   dass   der   „Brink"   als   vorzüglicher Denkmalplatz   inmitten   des   Dorfes   gewählt   und   mit   jungen   Eichen   bepflanzt   ist,   „die   später   mit   ihren   Riesenzweigen   das   Denkmal   beschatten   werden".   Der Schlusssatz   des   Artikels   erwähnt   jedoch,   dass   „dem   Vernehmen    nach   am   Sonntag,   dem   27.   Mai,   nachmittags   die   Enthüllung   des   Denkmals   stattfindet". Das   deutet   auch   der   Vorstand   der   Stahlhelm-Ortsgruppe   in   einer   offiziellen   OV-Bekanntmachung 5    an,   denn   dort   heißt   es:   „Morgen,   Sonnabend,   den   26. Mai,   ab   nachmittags   4   Uhr,   in   Ordnung   bringen   des   Platzes   beim   Denkmal".   Mit   diesen   Informationen   enden   die   OV-Berichte   über   das   Krieger-Denkmal. Weder   in   den   folgenden   Nummern,   noch   später   ist   etwas   über   die   Einweihung   und   dessen   Verlauf   gesagt.   Es   drängt   sich   hier   die   Frage   auf,   warum   die sonst   so   gesprächige   Heimatzeitung   Näheres   über   die   Denkmalenthüllung   verschwiegen   hat,   während   über   die   Errichtung   von   Ehrenmalen   in   anderen Gemeinden   (Vechta,   Lohne,   Vestrup),   teils   ausführlich   und   mehrfach   berichtet   wurde.   Um   das   zu   verstehen,   darf   man   vielleicht   darauf   hinweisen,   dass   die OV    unter    Bezugnahme    auf    die    eigene    Firmierung    in    der    Kopfspalte    „Offizielles    Organ    der    Deutschen    Zentrumspartei"    war    und    daher    der deutschnationalen Ausrichtung   des   Stahlhelmes   eher   zurückhaltend   gegenüberstand.   Chefredakteur   war   damals   Vikar   Franz   Morthorst.   Es   fällt   auf,   dass der   Berichterstattung   mehr   Raum   gegeben   wurde,   wenn   als   Initiatoren   von   Denkmalbauten   andere   Vereinigungen   verantwortlich   zeichneten.   In   den   OV Jahrgängen    der    zwanziger    Jahre    sind    für    den    Stahlhelm    wohl    deshalb    nur    Bekanntmachungen    im    Anzeigenteil    veröffentlicht    worden.    Aus    der Tageszeitung   ist   somit   nur   ersichtlich,   dass   die   Einweihung   des   Oyther   Kriegerdenkmals   am   27.   Mai   1923   erfolgte.   Für   alle   erkennbar   ist   jedoch,   dass   für die   Gestaltung   eine   seltene   Denkmalform,   nämlich   der   Kubus   gewählt   wurde,   die   in   unserer   Region   sonst   nicht   üblich   ist.   Kubus   ist   ein   regelmäßiges Quader   (viereckiger   Stein)   mit   sechs   quadratischen   Seitenflächen 6 . Aus   solchen,   rund   dreißig   verschieden   große   Kuben,   wurde   hier   nun   ein   4,20   m   hohes und   oben   stumpfwinklig   abgedecktes   Denkmal   aufgerichtet,   dessen   wuchtiger   Unterbau   (2,40   x   2,20   x   0,88   m)   dem   Ganzen   eine   massive   Form   gibt.   Das obere   Segment   misst   am   Fuß   1,86   m,   ist   nach   oben   auf   1,37   m   verjüngt   und   3,20   m   hoch.   Das   Ehrenmal   ruht   auf   einer   durch   zwei   Stufen   (je   0,35   m) erhöhten   und   mit   Feldsteinen   eingefassten   Plattform   und   ist   nach   Osten   und   Süden   mit   einer   etwa   0,75   m   hohen   Mauer,   ebenfalls   aus   Feldsteinen, abgeschirmt. An   der   Frontseite   des   massiven   Podestes   wurde   eine   schwarze   Marmortafel   (1,40   x   0,90   m)   mit   den   Namen   der   gefallenen   Krieger   unter   der Überschrift:   „Es   starben   für   das   Vaterland"   angebracht.   Im   oberen   Teil   des   Denkmals   ist   eine   0,63   x   0,73   m   große   helle   Sandsteinplatte   eingelassen worden, in der der Text: 1914 - 1918 Unseren Helden zum Gedächtnis -.-   Gemeinde Oythe und darüber das Eiserne Kreuz eingemeißelt sind. Die Spitze des Denkmals ist mit einem ovalförmigen Stein stumpfwinklig abgedeckt. Der geräumige Vorplatz war ursprünglich zum Teil mit Sträuchern bepflanzt und in der Mitte ein immer gepflegtes Blumenbeet angelegt. In solchem Zustand befand sich das Denkmal bis 1930. Aufschlussreichere Quellen Bei unseren Recherchen, die nach Niederschrift der oben stehenden Erkenntnisse noch fortgesetzt wurden, kam uns unerwartet ein glücklicher Zufall zu Hilfe. Der Oyther Heimatvereinsvorsitzende Georg Böske fand in der Pfarrchronik 7  zunächst einzelne Hinweise auf das Kriegerdenkmal, dann im Pfarrarchiv aber auch ausführliche Aufzeichnungen vom damaligen Pfarrer und Dechanten Dr. Ludwig Averdam (1911 bis 1946 in Oythe). Sie bestätigen die eingangs erwähnten Vermutungen über die lückenhafte Berichterstattung in der OV und sagen zudem einiges über die Gründe aus. Dr. Averdam, ein vielseitig interessierter und gewissenhafter Pfarrer, schildert die Vorgänge inhaltlich so, manchmal sehr direkt: „Bereits im Jahre 1919 steckten einige von den zurückgekehrten Kriegern die Köpfe zusammen und wollten ein Kriegerdenkmal bauen und einen Kriegerverein gründen". Doch der Denkmalbau fand zwar die Zustimmung des Pfarrers, die Vereinsgründung aber nicht, weil er befürchtete, „dass bei überörtlichen Veranstaltungen alle möglichen Männer zusammengetrommelt würden und das stille Oythe störten". In einer Predigt wandte er sich gegen dieses Vorhaben und folglich blieb es zunächst bei dem bisherigen Zustand. Schon 1922 regten sich erneut die vormaligen Kräfte und betrieben die Gründung eines Vereins der Frontkämpfer, nämlich des „Stahlhelm". Das gefiel dem Pfarrer wieder nicht, denn die Bundesleitung des Stahlhelm hatte bereits 1921 in einer Veröffentlichung gegen die katholische Kirche agitiert. Die Aussagen waren aber inzwischen vom Zentralverband zurückgenommen worden. Mit Hilfe des Nachbarvereins aus der Stadt Vechta konnten jedoch die meisten Oyther Frontsoldaten für den „Stahlhelm" gewonnen werden. Dem neuen Verein fehlte es dann aber an Impulsen und Lebenskraft, so dass er bereits nach zwei Jahren seine Bedeutung verlor und Dr. Averdam zufrieden anmerkte: „... und wird hoffentlich nicht wieder erwachen". Der Plan für den Bau eines Kriegerdenkmals blieb trotz dieser Misshelligkeiten weiter präsent. Der Pfarrer wandte sich nunmehr an mehrere Beratungsstellen und erhielt auch verschiedene Vorschläge. Sie fanden keine Zustimmung, weil sie sich entweder zu kostspielig oder als unschön erwiesen. Nun ergriff Dr. Averdam selbst die Initiative und entwarf den Plan für eine Denkmalskapelle in Form einer Rotunde (Rundbau) mit Säulen und Fenstern. Das Bauwerk könnte auf dem sogenannten „Pastors Brink" einen würdigen Platz finden und zugleich bei der Fronleichnamsprozession als vierten Altar genutzt werden. Der Innenraum sollte einen Altar mit dem Bild der Schmerzensmutter erhalten und an den Wänden im Altarraum wollte er die Namen der Gefallenen anbringen lassen. Dieser Vorschlag fand aber nicht die Zustimmung der Bevölkerung, denn sie wollte ein „Denkmal" und keine Kapelle. Nach solcher unterschiedlicher Meinungsbildung wurde das Vorhaben zunächst wieder hinausgeschoben, bis man 1922 seitens der Kriegsteilnehmer dem Entwurf des Pfarrers doch noch zustimmte. Eine gewählte Kommission bestellte auch sogleich die erforderlichen Backsteine bei der Ziegelei Menke in Bergstrup. Indessen stellten sich aber neue Bedenken ein, so dass der Baubeginn unterblieb. Mittlerweile schritt die Geldentwertung immer schneller voran. Zum gleichen Zeitpunkt sammelte der Lutter Kriegerverein Naturalien und finanzierte damit seinen Denkmalbau. Dieses Beispiel machte Schule und die „früheren Haupttreiber in Oythe" trugen nun ebenfalls Kartoffeln und Roggen zusammen. Der Ertrag reichte aus, um, so formulierte der Pastor, „bei derselben protestantischen Kunststeinfirma in Oldenburg, die das Lutter Denkmal geliefert hatte, auch ein ähnliches zu bestellen". Die von ihm vorgeschlagene Kapellenform fand weiterhin keine Zustimmung. Vielmehr besichtigte die Kommission nun verschiedene andere Denkmäler und bestellte dann nach einem vorliegenden Entwurf, der nicht näher bezeichnet ist, das Denkmal bei der Oldenburger Firma, die ebenfalls nicht genannt ist. Dr. Averdam kommentierte den Entschluss so: „Gott Dank, dass es (gemeint ist das Denkmal) ja nicht gerade hässlich ausgefallen ist, obgleich es ja echt lutherisch, ohne irgendwelche Symbole des katholischen Glaubens trägt". Die Bauarbeiten begannen im Frühjahr 1923 und gingen zügig voran, so dass die Einweihung am 27. Mai 1923 erfolgen konnte. Der Ablauf wurde von einem wiederum nicht genannten Initiator wie folgt festgelegt 8 : Programm für die Einweihung des Kriegsgefallenendenkmals Oythe Sonntag, den 27. Mai 1923 3 Uhr Gedächtnisfeier in der Kirche anschließend Enthüllung Festzug: Aufstellung auf dem Schulplatz, Reihenfolge: Kinder, Musikverein, Angehörige der Gefallenen, Geistlichkeit, Gemeinderat, Gesangverein, Stahlhelm, Gemeindeangehörige, Am Denkmal: Musikverein (Wo findet die Seele ...), Prolog, Übergabe des Denkmals an die Gemeinde, Enthüllung, Übernahme durch den Gemeindevorsteher mit Ansprache, Gesangverein (Morgenrot), Rede der Geistlichen, Kranz, Läuten, Musikverein (Es ist bestimmt in Gottes Rat...), Gesangverein (Es klingt ein heller Klang), Gemeinschaftliches Lied (Ich hatt' einen Kameraden, 3 Strophen) Anmerkung: Fahnen mit Trauerflor, Anzug, wenn möglich schwarzer Anzug mit Cylinder. Um   die   Ansprache   des   Pfarrers,   der   vorher   fest   zugesagt   hatte,   gab   es   einen   Disput,   weil   „am   letzten   Abend   die   Opponenten   von   früher   dem   Pastor   die Hauptrede   wieder   nehmen   wollten,   denn   es   wäre   passender,   dass   ein   Mitglied   des   Stahlhelm   diese Ansprache   hielte".   Doch   es   fand   sich   kein   geeigneter Redner   unter   den   Oyther   Mitgliedern   und   vor   einem   auswärtigen   Referenten   wollte   der   Pastor   nicht   zurückstecken.   Dr.   Averdam   notierte   deshalb:   „Der Pfarrer   blieb   bei   seinem   „entweder   -   oder",   entweder   der   Pastor   hält die     Rede,     oder     die     kirchliche     Vertretung     bleibt     zu     Hause. Notgedrungen           gaben           sie           endlich           nach".           Die Einweihungsfeierlichkeiten     verliefen     reibungslos     und     für     alle zufriedenstellend.    Der    Pfarrer    vermerkte    in    der    Chronik,    dass nachfolgend    die    feindliche    Einstellung    der    ehemaligen    Soldaten gegen   ihn   allmählich   einschlief,   obwohl   er   ihnen   den   Kriegerverein verhindert     habe.     Nachträglich     sei     jedoch     von     verschiedenen Mitbürgern    bedauert    worden,    „dass    statt    des    nichts    sagenden Steinhaufens   nicht   die   Kapelle   gebaut   worden   ist".   Er   fügte   hinzu: „Vielleicht   entschließt   sich   die   Gemeinde   Oythe   noch,   das   ganze Denkmal       als       Postament       für       eine       Christusfigur       „Christi Thronerhebung"   zu   bauen.   Dazu   würde   es   sich   wunderschön   eignen und    dann    wäre    es    auch    ein    echt    katholisches    Kriegerdenkmal, vielleicht das schönste in der ganzen Gegend". Christkönigs-Statue Im Sommer 1929 9  erhielt die Denkmalanlage eine Einfassung mit Kantsteinen. Der Vorplatz wurde mit Klinkern gepflastert, ein Rondell mit Blumen bepflanzt und die Zwischenräume mit Gartenkies bestreut. Dadurch kam das Denkmal, dessen Erscheinungsbild durch die inzwischen erfolgte Verlegung der Strasse etwas zurückgedrängt worden war, wieder besser zur Geltung. Dr.   Averdam   trug   nun   nochmals   den   bereits   bei   der   Denkmaleinweihung   1923   geäußerten Wunsch   vor,   zur   Krönung   des   Ganzen   eine   Christkönigs­Figur   auf   die   Spitze   des   Denkmals zu   setzen,   um   demselben   auch   eine   christliche   Note   zu   geben   (bislang   fehlten   jegliche katholischen   Symbole,   so   dass   das   Ganze   einen   lutherischen   Charakter   trug,   die   ja   auch von    andersgläubigen    Fabrikanten    angefertigt    werden)".    Es    wurde    nun    zunächst    an „lebendigen    Modellen"    (Männer)    ausprobiert,    ob    sich    eine    solche    Aufstellung    auch    in Wirklichkeit   gut   ausnehmen   würde".   Die   Begutachtung   fiel   positiv   aus   und   der   Pfarrer   erhielt den Auftrag,   das   nötige   Geld   zu   beschaffen.   Die   Sammlung   erbrachte   rund   600   Mark,   doch die   reichten,   um   etwas   Gutes   zu   erreichen,   nicht   aus.   Die   Auftragsvergabe   für   eine   Statue wurde   deshalb   noch   hinausgeschoben.   Im   Sommer   1930   versuchte   man   erneut,   das   noch fehlende   Geld   zusammen   zu   bekommen.   Zu   der   bereits   vorhandenen   Summe   kam   ein weiterer   Betrag   von   320   Mark   durch   Stiftung   hinzu   und   eine   nochmalige   Sammlung   ergab 659   Mark,   so   dass   insgesamt   rund   1500   Mark   zur   Verfügung   standen.   Nun   ging   es   darum, das   passende   Standbild   zu   finden 10 .   Das   erste   Angebot   für   eine   Terracotta-Figur   aus   Trier fand   keinen   Anklang.   Dr.   Averdam   versuchte   es   dann   bei   dem   bekannten   Kunstbildhauer Lambert     Piedbeouf     in     Aachen,     der     ihm     vom     Zentralsekretariat     der     Herz­Jesu- Thronerhebung    für    Deutschland    empfohlen    worden    war.    Nach    einem    umfangreichen Schriftverkehr,   in   dem   sowohl   der   Kunstverstand   und   die   Zielstrebigkeit   des   Pfarrers,   aber   auch   die   fachlichen   und   handfesten   Vorstellungen   und Ansichten   des   Künstlers   aufeinander   prallten,   kam   man   zu   einer   zufrieden   stellenden   Einigung   und   schloss   den   als   Anlage   beigefügten   „Contrakt" 11 .   In dem   Vertrag   ist   von   der   eingesandten   Skizze   die   Rede.   Bei   dem   Schriftverkehr   befindet   sich   eine   Zeichnung 12 ,   die   auf   Seite   7   abgebildet   ist   und   eine Christkönigsfigur   mit   Strahlenkranz   darstellt.   Es   ist   aber   nicht   ersichtlich,   ob   diese   Vorlage   im   Wortlaut   des   Vertrages   gemeint   war.   Das   Kunstwerk   wurde im   Oktober   1930   geliefert   und   konnte   am   Christkönigsfest   (26.   Oktober)   feierlich   eingeweiht   werden.   Es   fand   allseits   Interesse   und   Zustimmung   und   der Künstler   selbst   war   von   seinem   Werk   vollauf   begeistert.   Bei   der   Einsegnung   hielt   Pfarrer   Dr. Averdam   die   Weiherede   und   nahm   die   kirchliche   Benediktion nach vorgeschriebenen Ritus vor 13 . Die Musikkapelle der Missionsschule Füchtel begleitete die feierliche Handlung musikalisch. Nach Schluss, so schreibt Dr. Averdam, marschierten die Krieger im militärischen Aufzug unter Vorantritt der Musik durch das Dorf, schwenkte bei Kluge ab in die Gastwirtschaft ... und beschloss zum Dank, einen Kriegerverein zu gründen. Der Pfarrer war enttäuscht, dass trotz seiner Mahnung nun doch von „ein paar Anführern" die Gründung betrieben worden war. Er sah sich veranlasst, am Sonntage bei der Predigt gegen einen offiziellen Kriegerverein zu sprechen, nicht weil er etwas gegen die Krieger habe oder ihnen keine Vergnügungen gönne, „sondern um bei weltlichen Feierlichkeiten, die fast immer mit den Kriegervereinen verbunden sind und besonders das Hinzuziehen von fremden Kriegern und das Mitfeiern der Unserigen bei auswärtigen Kriegerfesten zu verhüten". Viele gaben dem Pastor recht, so meinte Dr. Averdam, aber nicht alle und er hoffe, dass die offizielle Gründung nicht zustande komme. Später fügte er hinzu „1933 aber doch". Nach der Schlussrechnung vom 18.10.1930 betrugen die Gesamtkosten einschließlich aller Nebenausgaben lt. nachstehender Aufstellung 1416,38 Reichsmark. Das ist fast genau die Summe der gesammelten Gelder. Aufstellung nach der Chronik der Pfarre Oythe (1911 - 1934), Seite 31: Die Kosten der Christkönigsfigur belaufen nach Rechnung vom 18.10.1930: Herz-Jesu-Statue, 2,08 m hoch, in Savonierstein ausgeführt 1.200,00 RM Für Transport und Aufstellung    100,00 RM Für 1 Sockelstein - nachbestellt -      30,00 RM Vergoldung der Krone und Mantelschließen      12,00 RM Zeichnung und Schablonen für den Strahlenkranz      23,00 RM 1.365,00 RM Hinzu kommen: 1. Fracht für den Sockelstein und 1 Flaschenzug 18.10.30.       24,18 RM 2. dem Gehilfen für Einmeißeln der Stemmlöcher für den Strahlenkranz        6,00 RM 3. Gratifikation an den Gehilfen      10,00 RM 4. Fracht für Rücksendung der Kiste mit Werkzeugen 23.10.        9,60 RM 5. Telefongespräch        1,60 RM 1.416,38 RM Damit war der Denkmalbau nun abgeschlossen. Unerwünschtes Christusbild Hatte die bisherige Pflege und Unterhaltung des Kriegerdenkmals in den Händen der Katholischen Kirchengemeinde gelegen, so versuchte man staatlicherseits ausgerechnet während des Zweiten Weltkrieges dies zu ändern. Der Bürgermeister der Stadt Vechta, Georg Quathamer (Oythe war 1933 bei der Oldenburgischen Verwaltungsreform in die Stadt Vechta eingemeindet worden) richtete am 27.8.1940 folgendes Schreiben an das Katholische Pfarramt in Oythe 14 :  ___________________ Der Bürgermeister Vechta, den 27. August 1940 An das kath. Pfarramt Oythe b. Vechta Die Betreuung des Kriegerdenkmals in Oythe habe ich für die Stadt Vechta übernommen. Die Gestaltung des Denkmals entsprach bei der Errichtung, auch in seinem Äußeren, den an ein Denkmal für die gefallenen Kriegsteilnehmer zu stellenden Anforderungen. Nicht als in diesem Rahmen passend ist die auf dem Denkmal später angebrachte Gottesfigur mit dem Sonnenkranz anzusprechen. Ich beabsichtige daher, die Figur wieder entfernen zu lassen. Dadurch erhält das Kriegerdenkmal seine frühere Gestaltung wieder. Dieses Vorhaben entspricht auch dem Wunsche einer größeren Anzahl der an der Erhaltung des Denkmals in seinem früheren Äußeren interessierten Einwohner von Oythe. Die Figur beabsichtige ich der Kirche in Oythe zur geeigneten Verwendung zur Verfügung zu stellen und bitte um Mitteilung, ob dieses angenommen wird. Quathamer ___________________ Nachdem der Bürgermeister die Erledigung seines Schreibens am 15.10.1940 nochmals angemahnt hatte, antwortete Dr. Averdam, er könne die Christusfigur für die Oyther Pfarrkirche nicht annehmen und führte folgende Gründe an: 1. Die Herabnahme der Christusfigur würde gegen den Willen der Geldgeber verstoßen, die im guten Glauben gespendet hätten, denn es handele sich um ein wertvolles Objekt. 2. Die Wegnahme würde gegen den Sinn der angekündigten Übernahme des Denkmals verstoßen, weil „in Pflege und in Schutz nehmen" kein Eigentums und freies Verfügungsrecht begründet sei. 3. Die Entfernung würde die Zerstörung eines religiösen Symbols in einer rein katholischen Gemeinde bedeuten. Der Pfarrer möchte auch nicht indirekt an solchem Vorgehen beteiligt sein und sich mitschuldig machen. Dieser Begründung wurde der Hinweis hinzugefügt, „dass die zahlreichen im Felde stehenden Soldaten aus der Pfarrgemeinde Oythe in der Seele gekränkt sind, da ihr Opfersinn, mit dem sie Führer und Vaterland dienen, zutiefst in ihrer religiösen Überzeugung verankert ist. Sie würden es nicht verstehen, wenn man in ihrer Abwesenheit in der Heimat den aus ihrem religiösen Glauben entspringenden Wünschen zuwiderhandeln würde. Ebenso würden die Oyther Familien die Entfernung der Christusfigur von ihrem Kriegerdenkmal sehr missbilligen". Schließlich unterstreicht Dr. Averdam, „dass die Figur ein Kunstwerk ist, das dem Denkmal erst den rechten Wert gibt und das Ganze zu einem unserer gefallenen Helden würdigen Denkmal macht". Er bekräftigt dann abschließend, dass er sich verpflichtet fühle, sowohl die höhere kirchliche als auch die staatliche Behörde zu unterrichten, falls die Christusfigur trotzdem vom Denkmal entfernt werde. Nach gut einem halben Jahr teilte der Bürgermeister am 2.4.1941 dem Pfarramt mit, dass er inzwischen eine gutachtliche Stellungnahme des Denkmalpflegers beim Hochbauamt im Ministerium der Finanzen eingeholt und dieser festgestellt habe, dass das Kriegerdenkmal in seiner Gesamtheit keineswegs den künst­lerischen Anforderungen entspreche. Außerdem sei das Denkmal seinerzeit ohne Genehmigung errichtet worden und er behalte sich vor, das Denkmal zu gegebener Zeit entfernen zu lassen. Er bot deshalb an, dass er die Christusfigur schon jetzt der Kirche zur Verfügung stellen werde, falls sie dafür Verwendung habe. Wenn er keine Antwort erhalten sollte, würde er über die Angelegenheit selbst befinden. Nach dieser Mitteilung endet der Schriftverkehr. Es ist nicht bekannt, ob und wann weitere Schritte seitens des Bürgermeisters unternommen worden sind, Fest steht aber, dass die Christusfigur damals nicht entfernt worden und noch heute vorhanden ist. Das Denkmal in der Nachkriegszeit Nach den Lokalberichten der OV nahm man im Herbst 1951 die Vervollständigung der Ehrentafel am Denkmal mit den Namen der im Zweiten Weltkrieg Gefallenen und Vermissten in Angriff 15 . Sie sind auf vier schwarzen Marmortafeln an der 1,75 m hohen Umfassungsmauer eingraviert. Die Kosten trugen die Einwohner der Kirchengemeinde. Der inzwischen gebildete Kriegerdenkmalsausschuss Oythe beschloss im Sommer 1952 die Neueinfriedigung des Denkmalbereiches mit Feldsteinen. Als im Oktober die Arbeiten beginnen sollten, wurden alle Grundstückseigentümer der Gemeinde gebeten, etwa auf ihren Besitzungen gefundenen Steine zur Verfügung zu stellen. Freiwillige Helfer aus den Bauerschaften beteiligten sich an den weiteren Arbeiten, deren Kosten zu Zweidrittel vom Bezirk Oythe und ein Drittel von der Stadt Vechta getragen wurden. Nach Fertigstellung der Einfriedigung beschloss der Planungsausschuss der Stadt Vechta im Mai 1953 die würdige und saubere Gestaltung des Denkmalgeländes und der Umgebung 16 . In diese Maßnahme wurde auch der Ausbau des vorhandenen Weges zwischen Ehrenmal und Pastorat mit einbezogen, der schon lange von der Bevölkerung gewünscht worden war. Stilvolle Anpflanzungen trugen nach Abschluss der Arbeiten zur Verschönerung des Ortsbildes bei, die im Herbst 1953 beendet werden konnten. Ein langjähriges Sorgenkind blieb allerdings der katastrophale Zustand der Landesstrasse I in der Ortsdurchfahrt 17 . Der Straßenbelag bestand noch aus Kopfsteinpflaster der Vorkriegsjahre und konnte dem starken Verkehr kaum noch standhalten. Anfang September 1954 begann endlich nach längeren Vorverhandlungen der Neubau der Dorfstraße. Der Straßenkörper erhielt jetzt eine Asphaltdecke, wurde um eineinhalb Meter verbreitert und die unübersichtliche Kurve begradigt. Die Fahrbahn reichte jetzt bis auf 1,50 m an den Sockel des Kriegerdenkmals heran, ein Zustand, der auf Dauer nicht befriedigen konnte. Als im April 1967 im Zuge der ortsplanerischen Bereinigung des Dorfzentrums der nochmalige Ausbau der Landesstraße mit Begradigung und Anlegung eines beiderseitigen Fuß- und Radweges anstand, kam man um die Versetzung des Kriegerdenkmals nicht herum. Beschlossen wurde deshalb die Zerlegung des Denkmals in seine Einzelteile und der Wiederaufbau rund 25 Meter südlich des bisherigen Standortes. Der Lohner Gartenbauarchitekt Hempelmann gestaltete die gärtnerischen Anlagen und die Stadt Vechta gewährte einen Zuschuss von 6000 DM. Bei diesem „Umbau" fand die Christusfigur jedoch nicht wieder ihren Platz auf der Spitze des Quaderblocks, sondern neben dem Denkmal auf der südlichen Umfassungsmauer. Außerdem ist seitdem die Vorderseite des Denkmals statt zur Straße hin jetzt auf die westliche Grundstücksspitze gerichtet. Mit der Zeit hatten sich an der rauen Oberfläche der Natur- und Granitsteine Moose und unschöne Staubablagerungen festgesetzt, die im Sommer 2002 entfernt wurden 18 . Außerdem musste die Marmorplatte mit den Namen der Gefallenen gesäubert und mit hellgrauer Kunstharzfarbe die Buchstaben neu überschrieben werden. Eine nachmodellierte Hand aus Naturstein ersetzt jetzt das entfernte Bruchstück an der Christusstatue, die linke Hand und das Gesicht wurden ebenfalls ausgebessert, so dass die Gesamtanlage wieder in neuem Glanz dasteht. ANLAGE Contract Zwischen dem Kunstbildhauer L. Piedboeuf in Aachen und dem Auftraggeber Dr. Averdam in Oythe wurde wegen Lieferung einer Christkönigsfigur ein Contract abgeschlossen unter nachstehenden Bedingungen. Der Auftrag gilt erst, wenn beide Contrahierenden persönlich unterschrieben haben. Die Christkönigsfigur (Herz-Jesu-Figur) muss ausgeführt werden nach der vom 21./22. Juli 1930 eingesandten Skizze - und alles bis 26. Oktober 1930 fertig sein. Die Figur selbst (abgesehen von den beiden Armen) samt der Halbkugel unter den Füßen muss angefertigt werden aus 1 (einem einzigen) Stück Savoniere-Kalkstein, I. Qualität, ohne Risse und Mängel. Die Christusfigur selbst muss 1,80 m (ein Meter und 80 Centimeter) hoch sein also das ganze Bild mit Sockel und Kugel reichlich 2 (zwei) Meter. Der Preis für die ganze Skulptur fix und fertig und aufmontiert beträgt 1200 (zwölfhundert) RM. Für Transport, Versicherung, Reise, Aufstellung erhält der Künstler noch weitere 100 (hundert) RM. Dafür trägt er die Garantie des Transportes und die Gefahr der Aufstellung, insbesondere jegliche Haftpflicht für seine eigene Person und die der Mithelfer (als Mitglied und Versicherung in der Unfall-Berufsgenossenschaft). Mit kurzen Worten: Der Preis 1200 + 100 = 1300 RM wird erst fällig, wenn die Figur unbeschädigt oben aufmontiert steht und wird dann nach endgültiger Abnahme der Beteiligten (Besteller) sofort bar ausgezahlt. Mit der Gefahr des Transportes und mit Haftpflicht will der Auftraggeber nichts zu tun haben. Für Handlanger wird von hier aus gesorgt, ebenfalls für die Gerüststangen. Der Lieferant muss aber selbst die Aufstellung des Gerüstes leiten, weil die hiesigen Arbeiter allein solche Arbeiten nicht kennen, Logis und Kost hat der Künstler, so lange er hier wegen der Aufstellung bleiben muss, frei. Den Flaschenzug wollen wir zu leihen suchen, andernfalls muss der Lieferant den seinen mitbringen. Die Gratifikation von 50 RM fällt weg resp. ist in obigen 100 RM mit eingeschlossen. Nebenrechnungen und etwaige Nachforderungen dürfen nicht gemacht werden. Oythe, 30. Juli 1930 Gez. L. Piedboeuf Quellennachweis 1. Brockhaus Enzyklopädie, 21. Band, Seite 67, 23. Band, Seite 685, Mannheim 1993, 1994 2. Oldenburgische Volkszeitung Vechta (OV) vom 6.8.1921,  3. OV vom 12.8.1921, 4. OV vom 10. und 17.12.1921, 5. OV vom 26.5.1923, 6. Nannen Klaus: Kriegerdenkmäler im Oldenburger Münsterland, Magisterarbeit,i. Teil, Abschnitt 5.2.5, April 2002, Brockhaus 24. Band, Seite 366, Mannheim 1994, Erdmann-Petris Dr. Friedrich: Handbuch der Fremdwörter, Leipzig, ohne Jahr, Seite 623, 25. Ausgabe,  7. Chronik der Pfarre Oythe 1911 - 1934, Seite 16 - 19, 8. Archiv Heimatverein Oythe: Schriftwechsel Reg. Nr. 173, 9. Desgleichen: Seite 29 - 32, 10. Pfarrarchiv Oythe: Akte 5125 Kriegerdenkmal,  11. Desgleichen, 1929 - 1930, 12. Desgleichen 13. Chronik der Pfarre Oythe, Seite 30, 31, 14. Archiv des Heimatvereins Oythe: Reg. Nr. 173, 15. OV vom 30.10.1951, 30.8.1952,1.10.1952 10.12.1952  16. OV vom 8.5.1953, 23.9.1953,10.10.1953 17. OV vom 11. und 19.4.1967, 18. OV vom 4.6.2002 18. OV vom 4.6.2002 
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